1947 Letter to Clara Hinderer Baur from G. Haller. Transcribe/translate German to English

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I wish all the German letters were written this nicely...until the last page. :-(

My Grandma Clara Hinderer Baur had been living in New Ulm for 20 years when she received this letter. She was secretary to the superintendent of New Ulm Public Schools.

She had put her only child (My Dad, Ralph Baur) through school including college and seminary. Ralph was now a pastor in Nebraska. She moved to Nebraska to live with her son in 1947. Mom and Dad got married in 1951.

I do not know what family or events this letter is connected with. However, another letter is written by the same firm to Grandma's brother in 1949. I think the name Hinderer or Schneider may show up in it,

I find it of interest the envelope is stamped as censored. The last image is from the back of the envelope. Any help translating/transcribing this letter is appreciated. Thanks!

 

 

WikiTree profile: Clara Baur
in The Tree House by Jim Baur G2G6 Mach 1 (17.7k points)
Some quick comments:

The letter is from Schwäbisch-Gmünd in Germany, Ledergasse is a street there, the house is at https://goo.gl/maps/CLhAPgwnzGr (no street view: that only exists for a number of cities in Germany due to privacy concerns)

G. Haller writes to his "dear niece Clara", so he's her uncle (or potentially great-uncle).

The censorship was established by the military governments of the Allied governments.

Schwäbisch-Gmünd is in the southern part of Germany, which was controlled by the US. They gave up that control (incl. limits to the freedom of the press, and secrecy of mail, as shown here) in 1949 when the West-German government was established (with a new constitution, free elections, ...), although some further restrictions were in place until the reunification of Germany in 1989: The 2+4 contracts (Western/Eastern Germany + the allied countries: US/UK/France/Russia) ended this kind of influence.

3 Answers

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Best answer
Schwäb.Gmünd, 5. Juni 1947

Meine liebe Nichte Clara!

Deine große Liebe und Aufmerksamkeit veran-
laßt mich, Dir wiederum einige Zeilen zu über-
senden. Am 30. Mai gelangte Dein liebes Paket in
unsere Hände. Wie erstaunt und überaus
glücklich waren wir, als wir die schönen und
nützlichen Gaben nacheinander dem Paket
entnehmen durften. Du hättest unsere Freude
sehen sollen! So groß unsere Freude, so groß ist
aber auch unsere Dankbarkeit. Von ganzem
Herzen übermitteln wir Dir unsern aufrich-
tigsten Dank. Leider können wir Dir augen-
blicklich unsern Dank nur mit dürren Worten
abstatten, gebe Gott, daß es uns noch möglich
sein wird auch Dir mal eine Freude machen
zu dürfen.
Dank aber auch für deinen lieben Brief.
Unser beider Gesundheit leidet natürlich immer
mehr Not, je mehr wir entbehren müssen.
Die augenblickliche Ernährungslage ist ja
katastrophal. Ihr drüben habt wohl keine
rechte Vorstellung davon, wie es ist, wenn man
hungert und manchmal tatsächlich vor dem
Nichts steht. Wie entbehren wir nur das Brot,
mit dem man doch manche Lücken hat aus-
füllen können. Kaum reicht es eine Schnitte
mit in die Schule nehmen zu können und

---

manchmal schwindelt mir vor der Klasse
so, daß ich befürchte umzusinken. Und wie
mir in der Schule, so ergeht es Tante bei der häus-
lichen Arbeit. Und doch wollen wir nicht nur
klagen, (öffentlich meiden wir es, so gut wir kön-
nen) Gott sendet uns immer wieder Menschen
die, wenn die Not am größten, uns mit einer Gabe
darüber weghelfen. Es ist uns Beiden eben
nicht gegeben, da und dort herum zu betteln
und herum zu reisen und mit frömmelndem
Augenaufschlag die Herzen anderer zu rühren.
Ausdrücklich und aus aufrichtigem Herzen kom-
mend möchte ich auch hier erwähnen, daß
ich hoch und dankbar schätze, welch große
Hilfe uns von amerikanischer Seite zuteil wird,
denn offen gestanden nicht alle "Volksgenossen"
haben diese Hilfe verdient. Um nur ein Bei-
spiel anzuführen: Wie Gott entfremdet hat
ein großer Teil des deutschen Volkes in den ver-
gangenen Jahren gelebt, nach allem hat man
gefragt, nur nach ihm nicht. Jedem Verbrecher
in Parteiuniform musste man seine Reverenz
erweisen, scheel und verachtend wurde man
angesehen, wenn man noch zur Kirche ging.
Ich ließ mich allerdings nie davon abhalten
Sonntag für Sonntag den Gottesdienst zu besuchen.
Ich war viele Jahre Mitglied des Kirchengemein-
derats und Abgeordneter für den Bezirkskir-
chentag und erteile jetzt 50 Jahre den
evangelischen Religionsunterricht der Schule.

---

Leider haben wir kein geeignetes Bild von uns,
um dir Familie Haller vorstellen zu können.
Nehme bitte mal mit diesen Paßbildern vorlieb,
deren Aufnahme allerdings schon etliche Jahre
zurückliegt, wo wir den Leibriemen noch nicht
so eng zu schnallen brauchten. Abgenommen
haben wir Beide schon über 40 Pfund.
Wie nett wäre es gewesen, wenn wir uns auch ein-
mal von Angesicht zu Angesicht hätten kennen-
lernen können. Auch von Dir können wir uns
kein Bild machen. Ich habe allerdings ein Bild
von Dir vor mir, auf dem Du aber nicht genau
zu erkennen bist. Es ist das Bild von der Beerdi-
gung Deines lieben Mannes. Daß es Dir den Um-
ständen entsprechend gut geht, freut uns sehr,
doch bedauern wir, daß Du Dich persönlich noch so
plagen mußt. Hoffentlich wird es jetzt besser wer-
den, nachdem dein Sohn mit dem Studium
fertig ist. Übrigens möchten wir Dir und ihm
von ganzem Herzen zu seinem erfolgreichen
Abschluß seines Studiums gratulieren und
ihm für sein schönes Amt Gottes Segen wün-
schen. Grüße ihn bitte bei Gelegenheit herzlich
von uns. Die amerikanischen Gottesdienste höre
ich öfters mit an.
Indem ich Dir für all uns erwiesene Liebe und
Aufmerksamkeit nochmals innigen Dank sage
    bin ich mit recht herzlichen Grüßen
              Dein Onkel
                                      G. Haller

---
G. Haller, uncle of Clara sent his and his wife's thank for a package of goods she sent. He also congratulated her and her son for him successfully finishing his studies.

He talked a bit about their situation and how they have little to eat (they both lost 40 pounds since the passport photos, which were many years old that he sent with the letter). He was a teacher at school, giving classes in evangelical religion for over 50 years. He wrote that he was so hungry he sometimes felt dizzy during classes, as if he'd lose conciousness at any time - same for his wife when doing house work. He was also active in the leadership of the local church. Talked about how Germany was quite anti-christian during Nazi times and people looked down on him for going to church.

He was somewhat sad that they had no chance to see each other face to face, therefore the passport photos (which were all he had at the time, and couldn't afford newer and better ones). Apparently he had a picture of Clara's husband's funeral on which he saw her, even if rather hazy (in the background or something like that)

I might just do a complete translation later, but that's the gist of the first three pages.

I guess page 4 is written by somebody else, probably Clara's aunt. It's smaller, but at a glance it should be a relatively good specimen of that script. Will take a look at it later.
by Patrick Georgi G2G6 Mach 1 (14.1k points)
selected by Jim Baur
This is so neat, Patrick. Ottilie (who wrote the last page) is the youngest sister of my Grandma's Mom (Klara Schneider Hinderer). Ottilie stayed in Germany and was 14 when Klara emigrated to the US in 1886. She was 65 when this letter was written.

I remember hearing stories of my Grandpa Jaus, a dairy farmer in MN, sending powdered milk to Germany after the war. These are things we can read about in books or the internet, but having them apply to family puts a whole different face on it. Thanks for all your help.
+4 votes

Meine liebe Klara! Auch ich möchte nicht versäumen, dir aus
aufrichtigstem Herzen meinen innigsten Dank auszusprechen
für all das Viele und erwiesene? Gute deiner l. Sendung moch?-
te man das Hausmütterlein gleichen. Es lag so viel Sorgfalt
in der Wahl deiner Geschenke darin. der Kleiderstoff ist sehr schön
u. hat mir so gut gefallen, das gibt ein warmes Kleid, das
mir immer gefehlt hat u. ich freue mich recht darauf, bis ich es
tragen kann. Und der ...schstoff gefällt mir sehr gut. Von dem
ungebleichten ... habe ich mir schon ein Hemd zugeschnitten, das
ich gerade brauchen kann u. werde es mir gleich in den nächsten
Tagen machen. Auch mit dem Faden? u. der ... hast du mich
hocherfreut, hast du denn geahnt, daß Faden? bei uns ein teu?-
rer? Artikel ist u. doch braucht man ihn ..., weil man
gegenwärtig mehr ... ja flicken mußte. Man flickt immer
wieder alle Lappen zusammen u. das hält leider nicht lange. Wir
können ja derartige Sachen wie Stoffe, Hemden? u. dergl. gar nicht
kaufen, weil wir nichts bekommen, nur die Flüchtlinge be-
kommen etwas, davon es hier nicht wenige sind, daher ist auch
das Essen so knapp, daß man immer hungern muß. Es sind so
etwa 12000 Flüchtlinge in den Privatwohnungen? untergebracht. Wir
haben aufnehmen müssen u. haben nun im Alter ein recht
unruhiges Leben u. sind in der Wohnung sehr eingeschränkt, ganz ab-
gesehen von all dem Unangenehmen, das die ganze Sache mit
sich bringt. Das sind auf die Dauer einfach gegenseitig unhaltbare
Zustände, man hätte am anderen Elend ganz schön zu tragen
gehabt. Ich bin froh, daß ich schon so alt bin, denn bei uns ist das Leben
nicht mehr schön. Es werden immer so viele Lasten aufgebürdet
daß man davon fast erdrückt wird. Da solle man mehr Kraft zum
Tragen haben, woher soll die kommen, wenn man keine Ruhe mehr
hat u. einem immer noch mehr zugemutet wird. An den
guten Haferflocken sind wir so froh u. die schönen Nudeln, fast
sind sie uns zu schön zum Essen. Wir sind nicht mehr verwöhnt.
Die seinen habens? nicht zu vergessen, sie stillen ... den Hunger.
Wir bekommen keine solch seltenen Sachen u. genießen sie deshalb sehr sparsam,
         Wir ...

--- left side:

Eine recht hübsche, grüne Tasse, samt Untertasse war in den Haferflocken eingepackt. Wenn es einmal ...
... gibt u. bei Hallers ein Geburtstag wäre, würde ich zur Feier des Tages ... brennen. Das ist Onkel Gottliebs Leibspeise?.
Du l. Klara hast uns all die Sachen geschickt, die wir so gerne mögen u. schon lange nicht mehr hatten. Man meint
..., du habest es ... Onkel dankt dir auch recht herzlich für die Zigaretten. Auch für alles ...
      In Liebe grüßt dich herzlichst deine Tante Ottilie.

by Patrick Georgi G2G6 Mach 1 (14.1k points)
edited by Patrick Georgi
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by James Collins G2G6 Mach 5 (52.3k points)

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