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Letter from Franz Xaver Guth of early 1849

Privacy Level: Open (White)
Date: About 1849
Location: Shippenville, Clarion, Pennsylvania, United Statesmap
Surnames/tags: Guth Pfendler Wehrle
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This is the first piece in the collection of letters of Franz Xaver and Leopold Guth, that was written in Shippenville, Clarion, PA. Franz Xaver Guth writes again about his parents coming over as well and about how well his sisters would be treated in the US and how he would need his brother Leopold to work with him. He also mentions some friends and acquaintances from the US and from his home. The person who did the inventory of the lettes assumes that this letter was written in early 1849.

Contents

Transcript

Page 1
Liebe Eltern u Geschwister
Es wäre freylich das Beste, wenn Ihr euer Haus verkaufen und das
Geld alles zusammen bringen könt und dann nach Amerika ziehen
würdet, allein ich befürchte Ihr könnt nichts verkaufen und
könnt kein Geld bringen, und könnt also nicht nach Amerika
reisen, wenn es dem so ist, so müßt ihr auf Gott vertrauen,
denn ich befürchte das Ärgste komt noch, wenn ihr aber verkaufen
könnt, so verkauft alles in Gottes Nammen und zieht nach Amerika,
das Ich könnte wohl rathen dir Genofefa du solltest herein kommen
aber die Eltern können auch nicht allein bleiben, wenn Ihr also
kommen wollt so kommt alle, den Leopold könnte ich gut brauchen
wohl in einigen Gegenden aber das ist Nebensache wenn sie liebe
Eltern nach Amerika kämen, so wäre das Beste für Euch eine
große Bauerei, wo man viel Vieh hat, das Feld wird in Amerika
viel leichter bearbeitet, wenn Ihr nur noch könt 1300 Gulden
hereinbringen nach Amerika so könt Ihr schon ein schain
Schöne Farm zu teutsch Bauerngut, kaufen, man macht in einigen
Gegenden nicht viel Geld, volh wohl aber ein gutes Leben, der
Bauer pflanzt alles was er braucht, er mästet seine Ochsen Schweine
nicht um sie zu verkaufen, sondern um sie selbst zu eßen, freylich
im Anfang gefallt einem niemals sehr in Amerika, aber sind
sie erst einige Jahre hier, so werden Sie nicht mehr nach Deutschland
verlangen, ich denke vielmal daran, wie die liebe Mutter allemal
sagte, wenn sie nur einmal genug Milch bekäme. Hier in
Amerika gibt es Milch genug, man laßt die Kühe gerade laufen
Morgens und Abends sind Sie dan hier zum melken Kaffe
Page 2


wird hier jeden Tag getrunken, Suppen werden in Amerika
keine gekocht, ich befürchte nur mein Bruder Leopold wird
vielleicht Soldat sein, das gleiche[1] ich nicht, ich hätte Ihn sehr
gut brauchen können und ich hätte Ihn das Taschenuhrenmacher Handwerk
gelehrt, es freute mich überaus herzlich das mir der kleine
Daniel ein Brief geschrieben hat, ich möchte Ihn einmal
sehen und küßen, es muß ein hofnungsfoller Knabe sein,
ich denke auch viel mal an meine Schwestern Genofefa und
Marianna, es wäre auch gut ihr wäret in Amerika, den[n]
die Weibsleut in Teutschland werden gehalten wie Sklaven
gegen dieser Lande, hier in Amerika ist der Frauen Paradieß,
sie dürfen nicht arbeiten als nur im Hause kochen und waschen,
das übrige muß alles der Mann thun, wohlgemerkt aber,
dieses thun nur geborne Amerikaner, die Teutschen Männer
welche von Teutschland kommen, wollen sich das nicht anbege
angewöhnen und bey Jahren müßen den die Frauen auch noch
ziemlich arbeiten, aber mißhandeln darf er Sie nicht, den
wenn die Frau zu Amte geht und verklakt Ihn, so wird er
unverzüglich eingekerkert, die Frauen haben viel Recht in
diesem Lande, aber das ist auch recht, den wenn hier einer ein
Mädchen hat und verspricht die Ehe, so muß er Sie heyrathen, ebenso
wenn er Sie schwängert, da hilft kein Läugnen, es geschieht aber
höchst selten, das eine ein Kind bekommt, den die Weibsleute
hier haben ein gewissen Charakter, sie geben sich nicht mit
diesen ab, wenn ein Jüngling Bekantschaft machen will
so spricht Sie von heyrathen, welches auch dan geschieht, wen
Sie dan Man u Frau sind, so können Sie thun wie es beliebt.
[margin] wenn ihr nach Pittsburg komt so ist es beßer ihr miethet ein Zimer auf kurze Zeit den die Reis komt Euch dan nicht so theuer.
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Liebe Genofefa, ich habe ein Brief von des Stoffelbauren Baptist
erhalten worin er mir schrieb das du mir ein Kette von Perlen
mit nach Amerika schiktest, dieses hat mich recht herzlich gefreut
das du auch noch so an mich denkest, wenn ich Sie jetzt hätte ich
würde Sie alle Tage tragen als ein Andenken von dir, des Stoffelbauren
Sohn schrieb mir, er wolle mir die Kette selbst überbringen
und so habe ich zuffälliger Weise seinen Brief verloren und kann
nicht an Ihn schreiben den ich habe keine Adreße, und ich nicht mehr
in Butler wohne so kann er nicht zu mir kommen, ich bitte also
schiket mir die Adreße von des Stoffelbauren Sohn wie auch von
dem Schuhschneider Xaveri, wie auch von Jakob Nitz des Fitzsteiers.
Liebe Eltern, wenn Ihr das Geld noch nicht welches ich beym Schuh=
schneider Xaveri schuldig bin,[2] noch nicht an sein Pfleger bezahlt
habt, so meldet es mir, ich will es dem Xaveri nach Neu York
schiken, den ich weiß das Geld ist zu rahr in Teutschland und es
wird auch sonst hart genug gehen.
Des Neuenweger Bekensohn der Josef Pfändler arbeitet
2 Stund von mir in einer Mühle, und er hat mir befohlen ich
soll Euch schreiben das seine Eltern nemlich sein Mutter
Franz Bauer Baumer und sein Frau nach Amerika kommen
sollen wenn Sie können er hat sich schon einiges Geld vorgespart
und will bald ein Stük Land kaufen, auch will er haben das seine
Geliebte die Karolina Wehrle des Schlemperbauren
Tochter in Obersimonswald mit seinen Eltern nach Amerika
komt, er will sie heyrathen, auch nimt es Ihn wunder
ob es wahr sey das sein Kind gestorben sey welches die
Karolina Wehrle von Ihm hätte, er hat gehört hier es sey gestorben
das macht aber kein Unterschied, sie soll nur kommen.
Er grüßt seine Eltern u Geliebte wie Anverwandte
Page 4
Liebe Eltern sollte es der Fall sein, daß Ihr nach
Amerika komt so nehmt keine Simonswalder Frauenkleider
mit, sondern laßt alles machen nach stättischer Art, aber die
Weibsbilder brauchen hier einen rechten Anzug, auf dem Schiff
kann man freylich noch so altmodische Kleider gebrauchen, aber
in Amerika ist eine Tracht überal, und die Kleider für Weibsleut
sind wohlfeiler als in Teutschland, nehmt nur keine Weibsbilder
Kappen oder gelbe Hüte mit, sonder[n] eine Barret wie sie in
Städten tragen, die Mansbilderkleider kan man mit nehmen
Ich glaube der beste Seehafen ist Havre de Gran, wenn
ihr zu Schiffe geht so nehmt viel Kartoffeln Mehl Eier und
Butter mit auch trokenes Brod, auch einige Flaschen Brandewein
wie auch Zwetschgen auch nehmt viel Essig. Ihr könt auch
ein Faßchen Wein mitnehmen, aber auf alles mißt müßt
Ihr genau achtgeben das nichts gestohlen wird, wenn ihr
nach Neu York kommt so haltet Euch keinen Tag auf,
sondern geht schnell zu der teutschen Gesellschaft in Neu York
ich weiß nicht in welcher Straße das Komptior ist, und erhalte
euch Rath welche der beste Way nach Pittsburg ist, glaubt
nicht allen Leuten, denn man wird zu sehr betrogen, wen Ihr dann
nach Pittsburg kommt, so komt jemand von Euch zu mir, die
ander bleiben in Pittsburg, und dan wollen wir über das weitere
sprechen, den Schippenville ist bald 80 Meilen von Pittsburg
entfernt, wen Ihr komt so vergeßet nur ja nicht das Ihr mir
ein kleiner meßingener Drehstuhl wie der Schübel hat, mitbringen
aber er muß auch gut und schön sein, ich will Ihn gern bezahlen
Die Adreße ist folgende
Mr
Francis X Guth
Clock & Watshmaker
Shippenville, Clarion County P.a. North Amerika
nun grüße ich Euch alle nochmal
bringt mir auch alles Zubehör
mit dem Drehstuhl
[margin] Ihr müßt mir verzeihen das ich so schlecht schreibe es gieng alles in Eile

Research notes

The swivel chair, actually two of them, Franz Xaver finally got himself from Simonswald, as he tells in his letter of 13 March 1862.

  • Who is Franz Baumer?

He might be identical to Herr Baumer u Frau unter der Linde who receive greetings in the letter from Franz Xaver Guth of 27 February 1865. He might also have something to to with Marianna Brugger, godmother of Franz Xaver's youngest brother Daniel Guth and widow of a Baumer.

Acknowledgements

  • Hans-Jürgen Wehrle for providing the document copies and some transcriptions
  • Eva Gawlik-Sutter for transcription and everything else

Sources

  1. maybe something like he doesn't like it
  2. see letter after arrival




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